Wirtschaft & Arbeit

Mögliche Folgen der Unterfinanzierung der gesetzlichen Krankenkassen

Im Gegensatz zu den privaten Krankenversicherungen steht das System der gesetzlichen Krankenversicherungen vor einem einschneidenden Umbruch. Trotz milliardenschwerer Steuersubventionen und Zusatzbeiträgen droht das nächste Rekorddefizit. Auf rund 15 Milliarden Euro schätzen Experten den Fehlbetrag der gesetzlichen Krankenkassen in 2011. Die flächendeckende Einführung der Zusatzbeiträge wird jedoch kaum ausreichen, um das System zu sanieren. Denn schon seit geraumer Zeit steigen die Ausgaben wesentlich schneller als die Einnahmen. Ein Trend, der schwer aufzuhalten ist und an dem sich bereits Generationen von Gesundheitsökonomen abgearbeitet haben.

Die logische Konsequenz: Bei gleichzeitiger Erhöhung der Einnahmeseite muss im System eingespart werden. Dem Kassenpatienten drohen damit einschneidende Veränderungen an mehreren Fronten. Zur Steigerung der Einnahmen sind dabei mehrere Optionen denkbar. Neben der fast schon sicheren flächendeckenden Einführung von Zusatzbeiträgen wird eine Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes auf absehbare Zeit vermutlich nicht abzuwenden sein. Zwar würde dies der wirtschaftpolitischen Zielsetzung niedriger Lohnnebenkosten zuwiderlaufen, doch der chronischen Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds ist anders kaum beizukommen, da die Zusatzbeiträge gesetzlich auf einen niedrigen Prozentwert gedeckelt sind und kaum zum künftigen Defizitausgleich ausreichen. Möglich wäre zudem ein so genannter Gesundheitssoli, eine an den bereits existierenden Solidaritätszuschlag angelehnte zweckgebundene Zusatzsteuer.

Neben dem monetären Mehraufwand für den Patienten muss im System gespart werden, doch dort gibt es harten Widerstand. Ärzteschaft und Pharmaindustrie werden von einflussreichen Interessengruppen vertreten, entscheidende Spareffekte sind daher kaum zu erwarten. Zahlreiche Krankenhäuser sind schon seit vielen Jahren finanziell gebeutelt oder kämpfen ums Überleben. Es konzentrieren sich aller Voraussicht nach wesentliche Sparbemühungen einmal mehr auf den Patienten, mit Leistungskürzungen ist zu rechnen. Denkbar ist dabei theoretisch die Kürzung oder Streichung diverser Leistungen. Der Blick ins Ausland zeigt, inwieweit die medizinische Grundversorgung zusammengestutzt werden könnte und in welchem Maße der Patient finanzielle Eigenbeiträge leisten muss.

Kassenpatienten, die dennoch abgesichert sein möchten, müssten dann den Weg über private Zusatzversicherungen gehen. Diese Richtung wurde bereits in den neunziger Jahren beispielsweise bei der medizinischen Zahnversorgung eingeschlagen, könnte jedoch künftig durchaus auch weitreichender umgesetzt werden. Neben der Priorisierung von Leistungen könnten im Zuge der Neuausrichtung auch andere Errungenschaften des solidarischen Gesundheitssystems angetastet werden. Beispielsweise könnte die kostenlose Familienversicherung zur Disposition gestellt werden, zumindest aber besser verdienende Eheleute vom Genuss der kostenlosen gesetzlichen Versicherung ausgeschlossen werden.

Für gesetzlich Versicherte, die die Voraussetzungen zum Wechsel in eine private Krankenversicherung erfüllen, kann sich daher ein Wechsel lohnen. Denn die Tarifgestaltung einer privaten Krankenversicherung ist nicht nur transparent, sondern bietet im direkten Leistungsvergleich oftmals ein höheres Niveau bei niedrigeren Beiträgen.

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Autor: Stefan GöbelOPC GmbH

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