Technik & Wissenschaft

Flöße der Antike und ihre digitale Auferstehung

Floß und Einbaum waren allen Völkern der Vorzeit bekannt. In Ländern, wo den Bewohnern der Flussgebiete und Küstenregionen kein Holz zur Verfügung stand, half man sich auf andere Weise. Einige afrikanische Stämme im oberen Nilgebiet fertigten Flöße aus zusammengeschnürten Papyrus oder Korkholzbündeln, die so leicht waren, dass ein Mann drei solcher Flöße auf dem Rücken tragen konnte, während ein Floß drei Menschen zu tragen vermochte. Ihr südamerikanisches Gegenstück ist die „Balsa“, ein bis 25 m langes und 8 m breites Floß aus Rohrbündeln. Von den kalifornischen Indianern und den Maoris auf Neuseeland sind Flöße aus Teichbinsen bekannt, die sieben Personen mit Leichtigkeit befördern konnten. Eine Abart des Floßes ist in seiner ursprünglichen Form das in Vorderindien und Südostasien entwickelte Auslegerboot oder der Katamaran, gleichbedeutend mit „gebündeltes Holz“. Die starke Brandung an den Riffen zwang die Inselbewohner, ein kentersicheres Wasserfahrzeug von hoher Stabilität zu entwickeln. Das erreichte man durch das Zusammenfügen von mehreren ungleich langen Stämmen oder indem seitlich von einem schmalen Bootskörper ein schwerer Balken als Ausleger angebracht wurde. Beide Fahrzeugarten waren mit Mattensegeln ausgerüstet.
Eine andere Übergangsform zwischen Floß und Hohlschiff bildeten Wasserfahrzeuge, deren Schwimmkörper aus aufgeblasenen Tierhäuten bestanden. Bildliche Darstellungen aus altassyrischer Zeit zeigen den „Kelek“ oder „Kilaak“, dessen Konstruktion relativ aufwendig war. Auf einem Gestell aus Weidenruten wurden Hunderte luftgefüllter Hammelhäute befestigt und mit Brettern, Moos oder Schilfgeflecht abgedeckt. Diese Fahrzeuge, mit denen die Bewohner des Zweistromlandes den Euphrat und Tigris befuhren, besaßen eine beachtliche Tragfähigkeit und vermochten selbst Stromschnellen unbeschadet zu überwinden.
Die Flöße der Antike sollen nun in einem Projekt von neuem Auferstehen (3D Modell der Antike). Bei diesem Projekt sollen Bauten und Technik der Antike, mit Hilfe von 3D Software, rekonstruiert und am Computer dargestellt werden.
Die Möglichkeiten der 3D Visualisierung eröffnen Interessierten, Studenten und Wissenschaftlern neue Wege, die damalige Technik nachzuvollziehen und zu verstehen.

Be Sociable, Share!
Zufällige Artikel Die 5 neusten Artikel