Gesundheit & Forschung, Sport & Fitness

Kaffee – ein Gesundbrunnen oder Risikofaktor

Einer der ersten Handgriffe in der morgendlichen Routine ist für viele Menschen das Einschalten der Kaffeemaschine. Für neunzig Prozent der Erwachsenen in Deutschland ist Kaffee sogar das Getränk Nr.1 und im Durchschnitt trinken die Deutschen vier Tassen Kaffee pro Tag. Auch wenn diese tägliche Menge unter Umständen kritisch zu betrachten ist, gilt Kaffee grundsätzlich als stimulierend für das Nervensystem: Wir fühlen uns nach einem starken Kaffee wacher und können uns besser konzentrieren. Auch für ein anstehendes Training fühlt sich so mancher Sportler energiegeladener. Darüber hinaus hat Kaffee einen hohen Gehalt an Antioxidantien und somit einen günstigen Einfluss auf das Risiko, an Diabetes und Herzleiden zu erkranken. Der Inhaltsstoff Koffein wurde als förderlich für den Fettstoffwechsel und als schmerzlindernd nach intensiven Belastungen erkannt.

Im Jahr 2006 allerdings trieb eine Erkenntnis vielen Kaffeeliebhabern unter den Sportlern Sorgenfalten auf die Stirn. Im Resümee einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt, das Koffein die Leistungsfähigkeit, im Gegensatz zur hergebrachten Auffassung, behindere, weshalb die Verfasser vielerorts mit der Aufforderung zitiert wurden, keinen Kaffee mehr vor körperlichen Aktivitäten zu trinken. Es wurde nämlich festgestellt, dass 200 Milligramm Koffein, also etwa zwei Tassen Kaffee, den Blutfluss zum Herzen während des Trainings um 22 Prozent verringerten. Bei Sportlern, die in einer Höhenkammer trainierten, erhöhte sich dieser Wert sogar auf 39 Prozent. Die Kammer wurde genutzt, um Bedingungen von Arteriosklerose zu simulieren, da ein Höhenaufenthalt ähnlich wie dieses Leiden die Sauerstoffmenge, die zum Herzen gelangt, begrenzt. Bei Ruhe, also ohne körperliche Belastung, wurde ein derartig eingeschränkter Blutfluss nicht festgestellt.

Aber betrachten wir doch mal genauer was bei Koffeinaufnahme passiert und erklären das aus der Sicht eines Fachmanns (z.B. Personal Trainer, Ernährungsberater, Wissenschaftler) allgemein wie zu diesem Phänomen kommt. Wenn wir Energie verbrauchen, erweitert eine Substanz namens Adenosin unsere Arterien, um einen stärkeren Blutfluss zu ermöglichen. Das Koffein blockiert nun die Wirkung von Adenosin teilweise. Da bei aeroben Aktivitäten ein verstärkter Blutfluss zum Herzen erforderlich ist, schränkt das die sportliche Leistungsfähigkeit ein. Nun sind bei Patienten mit Arteriosklerose die Blutreserven in der Regel bereits eingeschränkt. Eine weitere Reduzierung kann für diese Menschen und bei Sportlern die bei hohen Temperaturen trainieren ein Problem bedeuten. Fachgruppen (wie z.B. Personal Trainer, Fitness Trainer, Ernährungsberater, Sportmediziner) raten daher Menschen mit Arteriosklerose oder Risikogruppen für Herzkrankheiten zu keiner Einnahme von größeren Koffeinmengen (z.B. Kaffee) vor sportlichen Aktivitäten.

Die grundsätzliche Frage die sich nun stellt: Ist Koffein also gut oder schlecht für uns?

Es kann beides sein. Menschen die zu den Risikogruppen gehören sollten vor sportlichen Belastungen keine größeren Mengen Koffeinmengen Kaffee zu sich nehmen und Menschen die ohnehin kein Kaffeefreund sind brauchen wegen der positiven Inhaltsstoffe nicht mit dem Kaffeetrinken zu beginnen. Somit ist Differenzierung gefragt.

Mit anderen Worten, jeder sollte weiterhin seinen Café Latte genießen, wenn einem der Sinn danach steht. Trotz seiner oben beschriebenen Erkenntnisse in Bezug auf den Blutfluss sind für gesunde Menschen oder Nichtwettkampfsportler bei moderatem Genuss keine Probleme zu befürchten. Außerdem: In einhundert Jahren Forschung über die anregenden Eigenschaften des Kaffees kann die Wissenschaft nicht so falsch gelegen haben. Man weiß ja um die positive Wirkung des Koffeins in psychologischer Hinsicht.

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