Recht & Streit

Die Kosten eines Strafverteidigers

Strafverteidiger? Den braucht doch nur jemand, der kriminell ist. So denken viele. Tatsächlich kann aber auch der gesetzestreue Bürger sehr schnell ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. So kann z. B. jeder, der im Straßenverkehr als Autofahrer unterwegs ist, irgendwann zum Beschuldigten eines Ermittlungsverfahrens werden, weil er in einem Moment der Unachtsamkeit einen anderen Verkehrsteilnehmer verletzt hat.

Wird man dann als Beschuldigter zur Vernehmung geladen oder wird ein Strafbefehl zugestellt, ist guter Rat teuer. Wie verhält man sich im Strafverfahren? Aussagen oder besser schweigen? Alles zugeben? Alles abstreiten? Und welche Strafe erwartet mich? Bin ich dann vorbestraft? Erfährt mein Arbeitgeber davon? Komme ich gar ins Gefängnis?

Aufgabe des Strafverteidigers ist es, in diesen Situationen dem Beschuldigten beizustehen, ihm den Ablauf des Verfahrens zu erläutern, die möglichen Konsequenzen zu prognostizieren und natürlich eine sinnvolle Verteidigungsstrategie zu entwerfen. Sehr häufig kann der Verteidiger durch seine Tätigkeit ein Ergebnis erreichen, mit dem der Beschuldigte „gut leben“ kann.

Ein Strafverteidiger kostet allerdings, wie jeder andere Rechtsanwalt auch, Geld. Ein Pflichtverteidiger wird nur in Ausnahmefällen beigeordnet. Viele Beschuldigte schrecken deshalb davor zurück, einen Verteidiger zu engagieren. Das liegt häufig auch daran, dass sie keine konkrete Vorstellung davon haben, wie viel ein Rechtsanwalt für Strafrecht kostet und nach welchen Kriterien das Honorar überhaupt berechnet wird. Viele wissen aus dem Zivilrecht, dass der dortige Anwalt seine Vergütung anhand des sogenannten Streitwertes berechnet. Geht es um viel Geld, sind die Gebühren hoch, streitet man sich um niedrige Summen, sind die Gebühren vergleichsweise gering.

Das funktioniert im Strafrecht natürlich nicht, weil nicht um Geld gestritten wird, sondern um die Frage nach Schuld und Unschuld. Die gesetzlichen Regelungen zur Rechtsanwaltsvergütung, zu finden im „Rechtsanwaltsvergütungsgesetz“ (RVG) knüpfen deshalb auch nicht an Streitwerte, sondern an die Tätigkeit des Strafverteidigers an. Dabei erhält der Anwalt grundsätzlich eine Gebühr für die Einarbeitung in den Fall, darüber hinaus kommt es darauf an, was er für seinen Mandanten tut. Verteidigt er ihn in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht, dann erhält er neben der schon erwähnten Einarbeitungsgebühr eine weitere Gebühr für das Verfahren vor dem Amtsgericht und eine weitere Gebühr für den Verhandlungstag. Hinzu kommen Pauschalen und Steuern.

Allerdings: Der Rechtsanwalt ist nicht an die Vorschriften des RVG gebunden, er kann mit dem Mandanten etwas Abweichendes vereinbaren. Das ist in der Praxis auch der Regelfall. Sehr viele Strafverteidiger werden daher eine Vergütungsvereinbarung vorschlagen, die vom Gebührenrahmen des RVG abweicht. Üblich sind dabei Pauschalhonorare oder auch Stundenhonorare. Die Bandbreite ist dabei sehr groß. Für den Mandanten, der einen Verteidiger sucht, ist es daher am sinnvollsten, den Anwalt zu Beginn nach den zu erwartenden Kosten zu fragen.

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