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Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt im Yoga

Pratyahara, das zurückziehen der Sinne von der Außenwelt stellt das fünfte Glied des achtgliedrigen Yoga (Ashtanga  Yoga) dar, wie es durch Patanjali in den von ihm verfaßten Yoga Sutras beschrieben wird. Die Gheranda Samhita beschreibt Pratyahara als das wichtigste und wertvollste der acht Glieder des Yoga, das dazu dient den Menschen von den Leidenschaften zu befreien.
Hier wird darauf hingewiesen, das sich der Yoga Lernende von allen Zu- und Abneigungen befreien sollte und das es wichtig ist die Wahrnehmung vollkommen von den Dingen der Außenwelt zurückzuziehen, um des inneren menschlichen Selbst, des Atman beziehungsweise der Seele gewahr zu werden.  Falls das Denken zu den verschiedenen Dingen des äußeren Blickfeldes abwandert, ziehe es davon zurück und bringe es unter Kontrolle, rät Gheranda in diesem Text weiter. Damit der Zustand von Pratyahara erfahren werden kann, sollte der Yoga Übende also nicht das kleinste Abwandern des Geistes zulassen und die Vorgänge des Denkens sollten sofort wieder unter Kontrolle zu gebracht werden. Ganz gleich was sich in den Gedanken des Yoga Schülers befinden mag, ob Unangenehmes, Angenehmes , Lob, Tadel, gute oder schlechte Worte, schöner oder übler Geruch, was immer auch den Geist ablenken mag, ist unter die Kontrolle des Selbst zu bringen, so  wird in den weiteren Versen ausgeführt.
Hier wird der Yoga Übende Mensch also wieder zur Loslösung seiner Sinne von der materiellen Welt aufgefordert, um sich des inneren Selbst (des Purusa), der  frei von allen Bindungen ist und mit reiner unkonditionierter Wahrnehmung gleichgesetzt wird, bewußt werden zu können. Befreit sich der Mensch also von der Unwissenheit (Avidya ) kann er zurückkehren zu dieser reinen und unkonditionierten Wahrnehmung, deren Grundvoraussetzung das Zur – Ruhe Kommen der seelisch geistigen Vorgänge ist, das in Sutra 1.2  des Patanjali beschrieben wird, dann lösen sich die Bindungen und Verhaftungen an die Materielle Welt auf und der Geist kann einen tiefen Ruhezustand erfahren.
Eine sehr wirkungsvolle Methode, die den Yoga Übenden zu Pratyahara führt, ist das Yoga Nidra, bei dessen Übung die Wahrnehmung ganz in der Gegenwart gesammelt wird. Mittels des schnellen Wechsels, in welchem die Wahrnehmung von einem Punkt zum nächsten geführt wird, bleibt dem Geist keine Möglichkeit mehr sich mit den Gegenständen der Wahrnehmung weiter zu beschäftigen. Ganz langsam wird die Wahrnehmung von den Geräuschen der Außenwelt, über das Bewußt werden des Körper, der Atmung, das Wachbewußtsein und schließlich das Unbewußte auf einen Punkt gesammelt. Einzig das Hören bleibt übrig, damit ein totales Zurückziehen des Bewußtseins, das zum Schlaf führen würde zu vermieden werden kann..
Sind also alle Sinne vollständig ausgeschaltet sind, dann ist das der Zustand von Pratyahara und damit hat der Yoga Übende die Basis für die Meditation geschaffen.
Der Autor des Artikels leitet seit vielen Jahren die Patanjali Yogaschule Münster. Wenn Sie mögen können Sie sich im Yoga Forum mit ihm über das Thema weiter austauschen.

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