Bildung & Schule

Legasthenie – was ist das?

Früher meinte man Legastheniker machen ganz bestimmte Arten von Fehlern. Wenn dabei noch Buchstaben vertauscht wurden (b statt d), Buchstaben ausgelassen oder zusätzlich eingefügt wurden, dachte man, dies sei Kennzeichen einer Lese-Rechtschreibstörung oder Legasthenie.

Heute weiß man, dass alle Kinder – aber in unterschiedlichem Ausmaß – solche Fehler machen. Weiterhin finden sich Buchstabenumstellungen, Regelfehler, falsche Durchgliederung oder auch Fehler bei Wörtern, die vorher schon mal richtig geschrieben wurden.

Wann kann man von einer Legasthenie sprechen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet bei ihrer ICD-10 ( International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) zwischen der Legasthenie – synonym auch als Lese-Rechtschreibstörung bezeichnet – und der spezifischen oder isolierten Rechtschreibschwäche.

Bei der Legasthenie liegt eine beträchtliche und dauerhafte Beeinträchtigung der Lese- und Rechtschreibfertigkeit vor. Dies kann durch geeignete Lese- und Rechtschreibtests diagnostiziert werden. Von beträchtlich spricht man dann, wenn das Ergebnis so schlecht ist, wie dies sonst nur 3 Prozent der entsprechenden Altersklasse hätten. Manche Praktiker setzen die Messlatte nicht so hoch an. Sie sprechen von einer Legasthenie, wenn das Ergebnis zu den 15 Prozent der Schlechtesten (mit den meisten Fehlern) gehört.

Bei einer spezifischen oder isolierten Rechtschreibschwäche wird außerdem der Intelligenzquotient (IQ) berücksichtigt. Wenn das Ergebnis des Rechtschreibtests im Vergleich zum IQ sehr viel schwächer ist, spricht man von einer isolierten Rechtschreibschwäche. Dazu wird der statistische Wert der Standardabweichung herangezogen. Nach ICD-10 sollte die Rechtschreibleistung zwei Standardabweichungen unter dem IQ-Ergebnis liegen. Manche Praktiker setzen eine geringere Standardabweichung von mindestens 1 an.

Auf Grund obiger Definitionen ist erkennbar, dass eine exakte Diagnose nur Fachleute mit den entsprechenden diagnostischen Testmaterialien durchführen können. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die Störung oder Schwäche entwicklungsbedingt ist. Entwicklungsbedingt meint, sie muss von Anfang an bestehen und darf nicht erst im Laufe der Schullaufbahn (beispielsweise wegen längerer Krankheit) entstanden sein. Es muss auch ausgeschlossen werden, dass eine Schädigung von Augen / Ohren, unzureichende Beschulung oder zu geringe Intelligenz die Ursache ist.

Etwa 2 bis 8 Prozent aller Kinder sind von einer Legasthenie oder Rechtschreibschwäche betroffen. Leider treten bei dieser Störung und Schwäche noch weitere Auffälligkeiten auf. So finden sich bei vielen zusätzlich sprachliche Probleme oder waren in den ersten Lebensjahren beobachtbar. Unbehandelte Lese- und Rechtschreibprobleme können sich ungünstig auf die ganze Schullaufbahn auswirken, da in fast jedem Schulfach Lesen und Schreiben wichtig sind. Auch Schullust und Konzentration können dadurch beeinträchtigt werden.

Bei Leseschwächen kann man davon ausgehen, dass diese eher behebbar sind als Rechtschreibschwächen. Verschiedene Übungen für ein Rechtschreibtraining stehen zur Verfügung.

Informationen zum Autor "old_win":
Ernst Hartmann
E-Mail: hartmann.e(at)gmx.de
Web: http://www.rechtschreibtraining.net

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