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„History Repeating“ Die Vergangenheit als Kuschelkissen im urbanen Leben

Ein Zuhause zu schaffen, das in Zeiten wirtschaftlicher Flaute eine optimistische Perspektive eröffnen soll, scheint ja zunächst einmal frommer Wunsch und hanebüchene Utopie. Aber merkwürdigerweise könnte dies funktionieren, wenn man auch hier wieder den Mensch und die Stadt als Ganzes betrachtet. In schweren Momenten, sei es nun im privaten oder omnipräsenten Sinn, neigt der Mensch dazu, sich an Traditionen und Vergangenheit zu klammern. Wer kennt nicht die mit verklärtem Blick vorgetragenen „ Damals zu Kaisers/Diktators/anderer Diktators Zeiten…“ – Anekdoten der Älteren an der Bushaltestelle oder beim Nachmittagstee. Auffällig ist nur, dass auch die Jüngeren eine Vergangenheit hochleben lassen, die eigentlich nicht ihre Eigene ist. Dies scheint nicht nur psychologischen Ursprungs zu sein, es liegt auch in der unmittelbaren Umgebung, hier also die Stadt, begründet. Die Stadt, wie wir sie heute kennen, ist ein Vermächtnis des Bürgertums des 19.Jahrhunderts. Auch wenn diese Gesellschaft unwiederbringlich verloren ist, ob nun zum Guten oder Schlechten der Menschheit sei dahin gestellt, finden wir immer noch ihre Bauwerke, ihre Überlieferungen, ihre Strukturen. Viele Stadttheoretiker haben sich mit der Utopie von der Stadt als Museum beschäftigt. Nimmt man diesem Gedanken die erschreckenden Bilder von Stillstand und „Diktatur der Geschichte“, erkennt man doch, dass gerade die Stadt als Symbol unserer eigenen Entwicklung am besten funktioniert. Jeder Ort in der Stadt ist mit einer ganz individuellen Erinnerung behaftet, für jeden anders und immer wieder neu. Der Mensch spiegelt sich im Außen und andersherum. Und das Heim wird also zum Versprechen auf Sicherheit und Konstanz aus der Verklärung einer längst vergangenen Zeit heraus. Die Türen bilden nur kleine Schlupflöcher in den Bollwerken gegen die kalte Realität. Möglicherweise ist dieser Umstand am engsten mit dem unmittelbaren Empfinden einer Stadt als Ganzes verquickt. Denn diese Beziehung findet so sehr auf der Ebene des Unterbewussten statt, wie sonst kaum eine andere. Auch bildet dieses „History Repeating“ den unmittelbarsten Schnittpunkt zwischen der „toten Materie“ Stadt, seinen Bewohnern und der Gesellschaft als Akkumulation von Bewohnern.

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